Denkmalreise nach Heitersheim


von Sabine Model

HEITERSHEIM. Der dritte Tag der Denkmalreise 2022 des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen (MLW) Baden-Württemberg führte die rund 20-köpfige Delegation nach Heitersheim in die Villa urbana. An insgesamt vier Tagen wurden die Landkreise Stuttgart und Karlsruhe mit Ministerin Nicole Razavi besucht, Tübingen und Freiburg übernahm Staatssekretärin Andrea Lindlohr. Da das Denkmalschutzgesetz 50 Jahre besteht, stand die Reise unter dem Motto „Wahre Werte – Highlights der Denkmalpflege“.

Auf den Weg machten sich Mitglieder des Ministeriums, des Landesamtes für Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landtags Baden-Württemberg, des Regierungspräsidiums, der Universität und der Erzdiözese Freiburg. Alle Stationen waren ausgewählte repräsentative Kulturdenkmale, die beispielhaft für die vergangenen 50 Jahre Denkmalschutz und Denkmalpflege in Baden-Württemberg stehen. Heitersheim war mit seiner außergewöhnlichen römischen Villenanlage eines dieser Objekte.

Das freute Bürgermeister Christoph Zachow besonders. Er zeigte sich stolz auf den herrschaftlichen Wohnsitz der Römer, der „mit Weitblick und Mut“ erforscht wurde. Die Ausgrabungsergebnisse präsentiert ein moderner Museumsbau. In Reichweite ein weiteres Denkmal-Highlight: das Malteserschloss. Die Staatssekretärin sprach von einer „kulturgeprägten Gesellschaft“ und „Werten, die zu unseren Wurzeln gehören“. Vor allem betonte sie das herausragende Zusammenspiel von Denkmalpflege, universitärerer Forschung sowie der Gemeinde und Ehrenamtlichen in Heitersheim. Denkmalschutz und Denkmalpflege seien zwar staatliche Aufgaben, sagte sie, aber ohne ein tragendes gesellschaftliches Netzwerk nicht zu haben.

Im Oberrheingraben habe sich das provinzialrömische Leben abgespielt, ergänzte, Professor Claus Wolf. Und zwar in Palastvillen und feudalen Bädern. Er erinnerte sich an einen seiner ersten Außentermine als Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Heitersheim. Hier habe er einen Kristallisationspunkt für langjährige, leidenschaftliche Kollaborationen von Forschung, Denkmalpflege und Bürgermeister erlebt. Dieser Dreiklang und ein langer Atem seien nötig, so Wolf, damit so etwas Identitätsstiftendes dabei herauskomme. „Das ist kein Selbstläufer“, betonte er. Das Inklusionsprojekt Villa artis und der Start eines Skulpturenparks ließen den Wert dieses besonderen Ortes, weiter wachsen.

Die Strukturen der Villenanlage mit Vorhof, Wasserbecken und feudaler Ausstattung erläuterte in einem Rundgang Marcel El-Kassem, Gebietsreferent beim Landesamt für Denkmalpflege. Anhand eines Modells wurden Ausdehnung und Einbettung in eine kunstvolle Gartenanlage deutlich. Wie die Grabungsleiterin Gabriele Seitz erklärte, habe man den Kanon des Parks italienischen Vorbildern zuordnen können. Gebietsreferent El Kassem führte die Staatssekretärin noch in den römischen Keller mit Amphoren und einem römischen Schuhabdruck. Er machte aber auch klar, dass der feuchte Original-Wandputz mit seinen Ausblühungen eine Daueraufgabe der Denkmalpflege sei, weil eine Restauratorin regelmäßig den Bestand erhalten müsse. Der Nachweis der Römervilla durch archäologische Luftbilder, war lange vorher durch Funde auf dem „Scherbenacker“ genährt worden. Aus Sparsamkeit wurde jedoch kein Geld investiert, belegt ein Dokument. Bei der Erforschung in den 1990er Jahren habe es „keine kostenscheue Verwaltung“ gegeben, bekräftigte der damalige Bürgermeister Jürgen Ehret. Die Bauphasen seit den 30er Jahren des 1. Jahrhunderts nach Christus bis ins 3. Jahrhundert wurden so gesichert.

Abschließend lud die Vorsitzende der Historischen Gesellschaft, Anne Teller, zu einem Umtrunk mit Römerwein und Nuss-Zopf ein. Als Drahtzieher der Ausgrabungen habe damals der Vorsitzende Fritz Fünfgeld keine Ruhe gegeben, bis man den römischen Spuren nachging, hieß es. Und Jürgen Ehret war froh, dass Bürgermeister Zachow die Römer-Historie wertschätze und das Malteserschloss gekauft habe. Zugleich warb Planer Willi Sutter mit vielfältigen sozialen Vorhaben im Malteserschloss bei der Staatssekretärin um Fördermittel. Unterstützung erhielt er von der Landtagsabgeordneten Barbara Saebel und dem Regierungsvizepräsidenten Klemens Ficht. Trotz betont finanziell schwerer Zeiten ließ sich Andrea Lindlohr von dem Folgenutzungskonzept des Denkmals Malteserschloss sichtlich beeindrucken. Die römische Münze mit Kaiser Marc Aurel und dem Amor, welche die Staatssekretärin nach Anweisung von Museumsleiterin Juliane Güth mit Hammer und Stempel prägte, nahm sie jedenfalls - neben einer Chronik, Römerwein und Römerseife - als Erinnerung an Heitersheim mit.